Es ist nun genau ein Jahr her, dass der Themenpark Weltentor vorläufig Insolvenz angemeldet hat.

  • Warum ist es hier auf dem Blog so ruhig?
  • Ist Weltentor bereits Schnee von gestern?

Wo bleiben die Enthüllungsgeschichten die uns versprochen wurden? Nun, die meisten Beteiligten werden bestätigen, dass das nicht so ist. Viele Mitarbeiter, sowie die Geschäftsführer haben ihr Herzblut in dieses Projekt gesteckt. Doch jetzt ist es ruhig geworden. Ein paar Reste wurden versteigert und das Gelände wird vielleicht doch irgendwie genutzt.

Beim Schreiben der letzten größeren Artikel über Weltentor und beim Beantworten der Kommentare ist uns aufgefallen: Losgelöst wirkt manches etwas fehl am Platz. Deswegen haben wir uns jetzt das Ziel gesetzt zuerst die ganze Weltentor-Geschichte aufzuarbeiten bevor wir hier einen weiteren Artikel veröffentlichen können.

D.h. aber auch, das wir zuerst einmal viel niederschreiben müssen, damit wir auch Struktur in diese Website bringen. Das ist aber ein Auftrag, dem wir uns verpflichtet fühlen und den wir auch sehr ernst nehmen.

Die ersten Seiten sind bereits am Entstehen, und es hat fast den Anschein, als könnte man ein Buch daraus machen.

Natürlich werden wir auch die Fehler, die viele Neugründer-Firmen häufig machen, hier besonders behandeln. Diese Website soll auch offen mit diesen Problemen umgehen.

  • Hat man die richtigen Partner bei Geldgebern und Beratern?
  • Lässt sich die Idee so umsetzen, wie man Sie im Kopf hat?

All diese Fragen, die auch uns beschäftigt haben, können wir nun etwas anders Revue passieren lassen.

Aber das braucht Zeit. Zuerst müssen wir nicht nur unser (privates und berufliches) Leben wieder ordnen, auch die Insolvenz der Weltentor GmbH & Co.KG wird uns noch länger in Atem halten. Ein befreundeter Anwalt hat uns bei einem Gespräch gesagt: So eine Sache zieht sich meist über Jahre. Auch aus diesem Grund wird es auf diesen Seiten etwas ruhiger bleiben.

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Nicht nur Weltentor hat es mitten in der Wirtschaftskrise getroffen. Auch viele traditionsreiche Unternehmen stehen 2009 vor dem aus.

Neben Quelle hat es auch Junghans (Uhren), Märklin (Modelleisenbahnen) und Schimmel (Klavierhersteller) getroffen. Eine schöne Liste hat die Financial Times Deutschland hier zusammengestellt:

Tradition in Insolvenz: 2009 – Überlebenskampf nach der Pleite | FTD.de (hier klicken).

Im Weltentor Blog – Die ganze Wahrheit geht es im Jänner weiter. Wir wünschen allen Lesern frohe Festtage.

Weltentor Bühne fotografiert von lucklum.de

Weltentor Bühne

Der Insolvenzantrag ist abgegeben, der vorläufige Insolvenzverwalter hat uns seine Aufwartung gemacht. Aber was nun? Was ist das Wichtigste? Tausende Gedanken, tausende Ideen, tausende Aufgaben. Bankgespräche weiterführen, Unterlagen gehören aufbereitet, die Investorensuche muss weiter vorangetrieben und die Presse informiert werden, der Parkbetrieb muss weiter laufen, … Halt. Da war das Wichtigste auch schon. Der Parkbetrieb!

Der Parkbetrieb!

Untergegangen in einer Vielzahl von Gedanken, die einem durch den Kopf jagen. Unser Lebenstraum. 10 Jahre Vorbereitung. 2 Jahre Weltentor GmbH & Co.KG. Seit nunmehr einem Jahr schlaflose Nächte und kein Wochenende. Urlaub heißt schon seit langem: Arbeitswochenenden an anderen Orten als dem Meetingraum abzuhalten.

Der Park funktioniert nur, wenn wir Mitarbeiter haben.

Der Park funktioniert nur, wenn wir Mitarbeiter haben. Aber wir können uns keine mehr leisten. Wie reagieren die Angestellten jetzt? Gehen alle nach Hause? Wie können wir die Mitarbeiter bezahlen, wenn jetzt alles so knapp ist? Zum Glück gibt es dafür in der Insolvenz eine Möglichkeit. Wenn die Arbeitsagentur zustimmt, dann können wir das Insolvenzgeld vorfinanzieren. D.h.: Bei einer Insolvenz sind 3 Monatsgehälter durch das Insolvenzgeld gesichert. Wird es durch eine Bank vorfinanziert, bekommen die Mitarbeiter auch schon vor Abschluss des Insolvenz-Verfahrens – und fast ohne Verspätung – ihr Geld. Heute bin ich sehr froh und stolz, dass wir den Mitarbeitern diese Sonderleistung ermöglichen konnten, was zu diesem Zeitpunkt aber noch sehr ungewiss war.

Bei einer Insolvenz sind 3 Monatsgehälter durch das Insolvenzgeld gesichert

Leider gab uns die Agentur für Arbeit sehr rasch eine Absage bzgl. Kurzarbeit. Zu jung sei unser Unternehmen und zu unbedeutend hören wir hinter vorgehaltener Hand. Traurig, aber auch hier hätte die Politik etwas bewirken können. Also bleibt uns keine Wahl. Entlassungen! Ein sehr schwerer Schritt, der auch zu ersten Unstimmigkeiten innerhalb der Geschäftleitung führt. Wer muss gehen? Die alten Hasen oder die neuen Mitarbeiter. Die Fähigen oder die Unfähigen. Die Mitarbeiter mit sozialer Komponente oder die sozial gut Gestellten? Eine Entscheidung, die nicht leicht zu fällen ist und vor allem nicht leichtfertig gefällt werden darf. Ich wünsche es niemanden, dass mitzumachen. Aber wer sich dazu entschieden hat Unternehmer zu werden, muss auch da durch und hat wie ein Vater Verantwortung über seine Kinder und Familie zu übernehmen.

Ein Kernteam aus den Besten der Besten formen

Für mich ist eines schnell klar. Meine gesamten Ersparnisse stecken in dieser Firma, in diesem, meinem Lebenstraum. Wenn wir auch nur die geringste Chance haben wollen zu überleben müssen wir ein Kernteam aus den Besten der Besten formen, um danach wieder einen Neustart hinlegen zu können. Mein Kollege ist meiner Meinung. Wir müssen uns auf die Essenz unserer Firma besinnen und die fähigsten Mitarbeiter mitnehmen. Nur ca. 20 von zuletzt 74 festen und ca. 40 saisonalen Mitarbeitern werden nach unserem Plan übrig bleiben. Für uns alle ist das ein Schock! Aber mit diesen Topleuten könnten wir es nochmal schaffen. Leider teilt unser dritter Kollege nicht diese Meinung und nach beinahe 2 Tagen mühseliger Diskussion müssen wir uns auf eine Zwischenlösung einigen. Dies wird einer der letzten Todestösse für das Projekt Weltentor sein und ist mitunter einer der Gründe warum ich mich dann aus dem Projekt zurückgezogen habe. Drei Köpfe sind zwei zuviel (Doch dazu komme ich noch in einem späteren Artikel).

Mitarbeiterversammlung an der Hauptbühne

Wir fahren gemeinsam mit dem Verwalter auf das Gelände. Der Insolvenzverwalter Herr S. weiß, dass er nun gefragt ist. Gemeinsam halten wir, die drei geschäftsführende Gesellschafter, mit dem Verwalter an der Hauptbühne eine Mitarbeiterversammlung ab.

Die erste Frage einiger Mitarbeiter: „Wann bekommen wir unser Geld“. Die Löhne für den letzten Monat sind dieser Tage fällig. „Die Lohnzahlungen dürften sich verzögern. Die Voraussetzungen sehen aber gut aus, das wir innerhalb von 6-10 Tagen alles mit den Banken und der Arbeitsagentur geregelt haben“, erläutert Herr S. Doch das reicht den Mitarbeitern nicht. Sie sind sauer. Manche Mitarbeiter begleiten uns nun schon seit über einem Jahr. Und wegen 10 Tagen Verspätung beim Geldeingang wollen Sie jetzt die Arbeit niederlegen. Das tut weh. Um das Projekt so rasch und so weit umzusetzen war viel Arbeit notwendig. Das der Druck kurz vor der Eröffnung noch größer wird, hat jeder gewusst. Viele arbeiten sich auf, sind mit uns bis spät in der Nacht im Büro und frühmorgens wieder am Gelände.

Wachhaus im Bau

Wenn ich aber auf unfertige Dächer, Bauzäune und schlecht angebrachte Schutzplanen schaue, dann verstehe ich die Aufregung nicht. Immer wieder werden Termine zugesagt und dann nicht eingehalten. Es ist wie ein Schlag in den Magen. Es fühlt sich an, als ob die Verzögerungen der letzten Wochen und Monate bereits mit dem Wissen des heute angekündigten Zahlungsverzuges geschehen sind. Die Moral ist am Boden. Als nun noch die bevorstehenden Kündigungen erwähnt werden ist es aus. Wir können einpacken, denke ich und ziehe mich in den Hintergrund zurück. Wir sitzen alle im gleichen Boot, und wenn wir uns in den nächsten Wochen nicht zusammenreißen, dann kentert es.

Ich entschließe mich, die Schadensbegrenzung nach außen zu machen. Es ist nun bald drei Stunden her, dass wir den Antrag im Amtsgericht abgegeben haben. Wie wir erst später erfahren sollten, berichtet das Radio schon kurz nachdem wir das Amtsgericht verlassen, dass der Themenpark geschlossen wird. Seit zwei Stunden läutet deshalb mein Telefon. Wenn wir es noch in die Abendnachrichten schaffen wollen, dann müssen wir schnell reagieren. Alle müssen wissen, dass wir weiter am Traum arbeiten. Ich greife zum Telefon und erwische den Redakteur vom Fernsehen…

Das Warten ist das Schlimmste. Minuten werden zu Stunden, Stunden zu Ewigkeiten. Wir gehen im Büro auf und ab, jeder von uns folgt seinen Gewohnheiten, erledigt Tagesarbeit. Alles läuft zähe und träge ab. Dort eine Unterschrift, da eine kurze Anweisung. Alle so wie immer. Nur diesmal ein tonnenschweres Gewicht im Nacken. Wie lange hat der Verwalter noch mal gesagt wird er brauchen, wie spät ist es überhaupt? Erst 14 Uhr. Es ist noch nicht einmal eine 3/4 Stunde vergangen. Ich weiß plötzlich nicht so recht was ich tun soll. Draußen huschen immer wieder Mitarbeiter vorbei und schauen nur kurz auf, lächeln und gehen ohne weitere Worte ihrer Wege. Verdammt, jeder sieht es, jeder weiß es, jeder ahnt es. Der Schrecken der Insolvenz hängt wie ein Damoklesschwert über uns. Ich weiß, dass es die Mitarbeiter auch wissen, obwohl wir sehr vorsichtig mit unseren Informationen waren. Mir schießen immer wieder Gedanken durch den Kopf. Hätten wir den Mitarbeiter früher Bescheid sagen sollen? Aber was hätten wir schon sagen können? Wir wussten bis vor einer Stunde selbst nicht einmal, dass es so weit kommen würde. Hingehalten, vertröstet und am Schluss im Regen stehen gelassen. Kein schönes Gefühl. Man fühlt sich nackt, hilflos, wütend.

Der Verwalter ist da.

Der Verwalter ist da. Die Nachricht schreckt mich in meinen Gedanken auf. Gut, jetzt durchatmen und der Dinge harren die da kommen mögen. Ich höre wie sich der Lift mit einem krachen in Bewegung setzt – DDR Wertarbeit aus dem Jahre 1989. Ich stelle mir das Schlimmste vor. „Danke, sie können uns Ihre Schlüssel übergeben und nach Hause gehen – Jetzt übernehmen wir.“ So oder so ähnlich habe ich das mehrmals im Gedanken durchgespielt. Niemand weiß, wie das erste Treffen ausgehen wird. Es ist ein mögliches Szenario. Hilfestellungen dazu sucht man vergebens – auch von anwaltlicher Seite wird niemand wirklich konkret. Warum frage ich mich, ist das bloß so? Wir sind doch nicht die einzigen denen es so geht? Im Gedanken fasse ich einen Beschluss. Wenn die Sache ausgestanden ist, werde ich das Erlebte niederschreiben. Für alle, denen es genauso geht. So viel Angst, Verzweiflung und vor allem Unwissenheit und Ungewissheit sollte eigentlich niemand ausgesetzt sein.

Die Tür des Aufzuges öffnet sich mit einem Geräusch, dass einem über die gefühlt lange Zeit in diesem Büro schon seltsam vertraut vorkommt. Heute wirkt es fehl am Platz und störend. Aus dem Aufzug treten zwei Männer. Einer groß und schmal, einer klein und fest. Der Große stellt sich uns mit den Worten vor: „Guten Tag Rechtsanwalt S., ich bin der vorläufige Insolvenzverwalter“. Er lächelt. Eigentlich nicht unsympatisch, denke ich. Aber es sind die Augen, die ihn verraten. Klein, stechend und eiskalt. Mein Kollege macht mich später darauf aufmerksam, denn mir ist das im ersten Moment gar nicht aufgefallen. Leider sollte er mit seiner menschlichen Einschätzung schmerzhaft Recht behalten, als das Insolvenzverfahren im August dann eröffnet wurde (Lesen Sie später mehr dazu). Trotzdem versucht man zunächst immer das Gute im Menschen zu sehen.

Vorläufiger Insolvenzverwalter

„…vorläufiger Insolvenzverwalter“ wiederhole ich im Gedanken. Wieso eigentlich „vorläufig“? Wir haben doch bereits die Insolvenz angemeldet? Später erfahre ich, dass zunächst geprüft werden muss, ob überhaupt genug Masse vorhanden ist (Anlagevermögen und Kontostände, also zu Geld machbare Dinge), um ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. Ist dies nicht der Fall wird das Verfahren „Mangels Masse“ abgewiesen. In der vorläufigen Insolvenz ist der Verwalter noch dein Freund, da er dich, deine Informationen und deine kostenlose Arbeitskraft braucht. Wenn erst einmal das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, sieht alles plötzlich ganz anders aus.

Kurzer Smalltalk mit dem Anwalt

Wir gehen in unseren Besprechungsraum. Unsere Telefone klingeln ununterbrochen. Die Presseleute versuchen, uns zu erreichen. Wir schalten auf lautlos. Kurzer Smalltalk mit dem Anwalt, dann liest er ein Schreiben vom Gericht vor. Und stockt. Liest es für sich noch einmal und fragt dann welche Firmenform wir haben. GmbH & Co KG – Das sind eigentlich zwei Firmen. Und für jede Firma, die Weltentor BeteiligungsgmbH und die Weltentor KG, gibt es einen Verwalter. Welch ein Irrsinn! Er ist „nur“ der Verwalter der GmbH. Für die KG gibt es einen eigenen, Rechtsanwalt B. Aber was bedeutet das alles für uns? Nur, dass er eigentlich nichts machen kann, sondern der „richtige“ Verwalter, dann am Montag zu uns kommen wird.

Zurück bleiben tausende Fragen ohne Antworten.

Ein paar schnelle Fragen, dann fahren wir zum Gelände, denn die Mitarbeiter warten auf die große Mitarbeiterversammlung. Am Wochenende ist wieder „normaler“ Parkbetrieb. Zurück bleiben tausende Fragen ohne Antworten.

Update: Foto wurde eingefügt

Vorankündigung:

Mit unserem Artikel über die Ankunft des Insolvenzverwalters geht unsere Geschichte am Montag, den 7. Dezember weiter.

Amtsgericht Gera

Amtsgericht Gera

Insolvenzgericht, 12. Juni 2009

13:00 Uhr

Es ist getan! Noch fühlt sich alles wie in einem Albtraum an. Es wirkt unwirklich. Alles läuft verlangsamt ab und man bewegt sich und handelt nur mehr automatisch. „Insolvenz“ – das Unwort, der Schrecken, der uns seit den letzten Wochen verfolgt hat, hat uns eingeholt. Das hat nichts ehrenvolles, nichts heldenhaftes. Es ist einfach nur kalt und nüchtern.

Der Anfang vom Ende….


11:30 Uhr

In einem kahlem Gebäude des Amtsgerichts Gera herrscht noch der unvergleichliche Charme der ehemaligen DDR. Kein freundlicher Empfang, kein „Guten Tag“, gar nichts. Nur ein verstaubter Beamter hinter einer Glasscheibe, der uns auf unsere Frage mit den barschen Worten „Insolvenzgericht? – 2. Stock“ weiter schickt. Dort finden wir nur leere Gänge, weiße Türen und ab und zu ein grauer Schatten, der von einer Tür zur nächsten huscht. Schnell den Blick abwendend, um unseren fragenden Augen zu entgehen. Aber wir müssen doch auffallen? Drei junge Männer in Anzug mit Papieren in der Hand.

„Insolvenzgericht? – 2. Stock“ – Nur barsche Worte

Kundefreundlichkeit? Fehlanzeige. Auf einem Türschild lese ich, dass das Büro dahinter etwas mit „Insolvenz“ zu tun hat. Ich atme tief durch, fasse mir ein Herz und klopfe an. Ich setze mein „Alles ist gut“-Lächeln auf, das ich in den letzten Tagen perfektionieren musste und öffne die Türe.

Große Augen schauen mich hinter einem Schreibtisch an, den ich nur deshalb erkenne, da zwischen hunderten Aktenmappen zwei hölzerne Füßlein hervorstehen. Ich dachte immer solche Büros, die oft in Filmen als typische Beamtenbüros gezeigt werden, sind reine Fantasie. Sofort schießt mir Reinhard Mey’s berühmter Song ins Gedächtnis „Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars …“.

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars

Ich muss Lächeln, verneige mich innerlich und erkläre mich in kurzen, einfachen Sätzen der Dame die hinter den Aktenbergen sitzt. Sie ist jung und noch gutherzig. Offenbar eine der wenigen Beamten, der der Amtsschimmel noch etwas Menschlichkeit gelassen hat. Vielleicht bemerkt sie auch mein verzweifeltes Flackern in den Augen. Ich bekomme zwei Formulare in die Hand gedrückt und den Hinweis, wo ich diese anschließend abgeben soll.

11:45 Uhr

Da es keine Tische zum Ausfüllen gibt, nehmen wir auf Plastikstühlen am anderen Ende des Ganges Platz.

Glücklicherweise hatten wir im Vorhinein begonnen juristischen Rat einzuholen. Wir hatten die wichtigsten Daten schon in einem anderen Formular vorbereitet. So ein Insolvenzantrag ist eine Herausforderung und ohne Hilfe fast nicht zu meistern.

12:00 Uhr

Ein Insolvenzverwalter am Freitag? Das wird wahrscheinlich schwierig…

Unser Anwalt hat uns noch den Tipp gegeben, sofort um einen vorläufigen Verwalter zu bitten. Es ist Freitag Mittag und der Themenpark Weltentor soll ja am Wochenende geöffnet sein. Die Dame, die unseren Antrag annimmt sagt, „Das wird wahrscheinlich schwierig, da der Richter wohl schon nach Hause gegangen ist.“

13:00 Uhr

Wir warten. Nach einer halben Ewigkeit fliegt plötzlich eine der weißen Türen auf. Ein Mann – um die 40 – kommt heraus und übergibt grußlos einen Zettel an meinen Kollegen. Er verschwindet wieder mit den Worten „Rufen’s den Rechtsanwalt Scholl an – der kommt und nimmt Ihnen die Sache ab!“. Eine Verabschiedung gibt es nicht. Wir schauen uns ungläubig an. Das war’s? So funktioniert also ein Insolvenzantrag?

So funktioniert also ein Insolvenzantrag?

Wir verlassen wie ferngesteuert das Amtsgericht. Keiner findet entsprechende Worte. Vor dem Gebäude empfängt uns es ein schöner und sonniger Tag. Surreal – einfach nur unwirklich. Wir setzen uns ins Auto und beginnen automatisiert die Lage zu analysieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Dann rufen wir den Anwalt an. Ein kurzes, nüchternes Gespräch. Der Anwalt und ein Kollege werden in ca. 1 Stunde in der Firma sein.

13:15 Uhr

Wir machen uns auf nach Ronneburg. Wir wissen nicht was uns erwarten wird. Wir haben uns informiert und wissen, dass der Insolvenzverwalter uns sofort vor die Türe setzen kann, wenn er möchte. Dann ist uns auch der Zugang zu allen Räumlichkeiten verwehrt. Es fühlt sich ein bisschen an wie das Warten auf ein Urteil über Leben und Tod. Ich wünsche niemanden, dass er das einmal durchmachen muss.

Warten wie auf ein Urteil über Leben und Tod…

14:30 Uhr

Der Insolvenzverwalter ist da.

Update: Mehr lesen Sie in Teil 2 – Der Insolvenzverwalter“ (hier klicken)

Songtext Reinhard Mey – Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars: hier (bitte klicken)

Die ganze Wahrheit und viele Hintergründe zu dem fantastischen Projekt „Themenpark Weltentor“ finden Sie hier in Kürze.

Ab Dezember 2009 schreiben hier die zwei Gründer, Unternehmer und ehemaligen Geschäftsführer der Firma Weltentor GmbH & Co KG über die Hintergründe und Geschichte des Projekts Weltentor, nehmen Stellung zu den Ursachen der Insolvenz und räumen schonungslos mit Gerüchten auf.